Kartoffellager- und Handelsgenossenschaft Großwaltersdorf – GEschichte rund um die Kartoffel

Die Kartoffel – unser wichtigstes Grundnahrungsmittel

Die Kartoffel ist weltweit eine der wichtigsten Kulturpflanzen für die menschliche Ernährung.

Die Kartoffel (lat. Solanum tuberosum L.) – neben Tomaten, Paprika und Tabak eine Nutzpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) – ist allen anderen Kulturpflanzen der Menschheit in der Produktion von Eiweiss pro Zeiteinheit und Fläche überlegen. Das Kartoffeleiweiss enthält essentielle Aminosäuren, die andere Pflanzen nicht produzieren und ist deshalb für die menschliche Ernährung sehr wertvoll. Kartoffeln werden weltweit auf 20,3 Millionen Hektar angebaut und rangieren nach Weizen, Reis und Mais mit einem Weltgesamtertrag von jährlich 300 Millionen Tonnen an vierter Stelle der am häufigsten angebauten Nutzpflanzen. In der Schweiz z.B. werden jährlich auf einer Fläche von 16000 Hektar Kartoffeln angepflanzt.

Jedoch birgt der Anbau von Produkten in solch großen Dimensionen auch seine sehr eigenen Risiken. Die Kraut- und Knollenfäule etwa, eine durch den Pilz Phytophthora infestans verursachte Krankheit, ist hierzulande das dominierende Problem im Kartoffelanbau. Neben der Zerstörung des Kartoffelkrauts und einem verminderten Knollenwachstum entstehen bei einem Befall erhebliche Lagerverluste. Problematische Kupferspritzungen oder mehrmalige Behandlungen mit Fungiziden waren bisher die einzigen, nur beschränkt wirksamen Bekämpfungsmethoden.

Verschiedene Organisationen und Institute in Europa forschen seit 1992 an einer gentechnisch veränderten Kartoffelsorte, die gegen den Pilzbefall resistent ist. Eine Sorte mit eingebauter Pilzresistenz wäre für die Landwirte sowohl wirtschaftlich wie ökologisch interessant. Allein in der Schweiz könnten mit einer solchen transgenen Kartoffelsorte rund 50 Tonnen an Fungiziden pro Jahr eingespart werden.


Der Ursprung der Kartoffel in den Anden

Die Kartoffel hat ihren Ursprung in Lateinamerika. Es scheint drei botanische Verbreitungszentren zu geben: (a) die Anden von Peru und Bolivien bis NW-Argentinien, (b) das Hochland von Mexiko und Guatemala und (c) Südchile. Archäologische Untersuchungen haben Wildkartoffeln bereits 13.000 Jahre v. d. Zw., also lange vor Einführung des Ackerbaus, in Südchile nachgewiesen. Die Kultivierung der Kartoffel als Kulturpflanze ging vom andinen Verbreitungszentrum aus. Die ältesten Funde kultivierter Kartoffeln wurden im Chilca-Tal (südlich von Lima, Peru) gemacht. Sie werden auf 7000 v.d.Zw. datiert. Nach Europa gelangte die Kartoffel erst nach der Eroberung des Inkareiches durch Pizarro (1532). Wahrscheinlich gab es zwei voneinander unabhängige Einführungen der Kartoffel nach Europa. Die erste erfolgte nach Spanien gegen 1570 und die zweite nach England gegen 1590. Während es in Südamerika mehr als 200 botanische Arten von Kartoffeln gibt, von denen 7 kultiviert werden, wird in Europa nur die Art Solanum tuberosum angebaut. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts war die Kartoffel in verschiedenen deutschen Ländern bekannt. Ihre Verbreitung beschränkte sich damals jedoch meist auf ihren Anbau in Kräuter- und Apothekergärten. Erst in Folge des Dreißigjährigen Krieges und besonders während des Siebenjährigen Krieges werden Kartoffeln verstärkt als Nutzpflanze angebaut. Ende des 16. Jahrhunderts wurden Kartoffeln in Österreich feldmäßig angebaut. Um 1700 gab es in Süddeutschland, im Vogtland und im Erzgebirge Kartoffelanbau. In Norddeutschland erlangte die Kartoffel erst Mitte des 18. Jahrhunderts Bedeutung. Schon bald entwickelte sich eine Fülle regionaler Sorten. Viele dieser Sorten sind jedoch unter den verheerenden Auswirkungen der Phytophthora-Epidemie 1845–1848 ausgestorben.

Geschichte der Verbreitung nach Europa und Deutschland

Neue Erkenntnisse zur Kartoffel aus Flensburg
Gelernt haben wir, dass Preußenkönig Friedrich II., der Alte Fritz es war, der in Deutschland im Jahre 1745 den feldmäßigen Kartoffelanbau eingeführt habe. Falsch! Der in Flensburg lebende Max Wirsing hat nachgeforscht und herausgefunden, dass bereits fast 100 Jahre vorher, nämlich im Jahre 1647, ein feldmäßiger Anbau der aus Südamerika stammenden Kartoffel stattfand. Der Preußische König (siehe auch www.koenigreich-preussen.de) hat das dann lediglich später übernommen.
Max Wirsing, er ist übrigens Träger des Bundesverdienstkreuzes, war, ehe er pensioniert wurde, Referatsleiter im Kraftfahrtbundesamt. Durch seine Arbeit muss jetzt die Geschichte der Kartoffel in Deutschland neu geschrieben werden.


So kam die Kartoffel in den Acker

Der erste feldmäßige Kartoffelanbau wurde im Jahre 1647 von Bauern aus Pilgramsreuth durchgeführt. Hans Rogler, Bauer in Pilgramsreuth, erhielt während des 30-Jährigen Krieges die ersten Saatkartoffeln von einem holländischen Soldaten. Und der Ernteerfolg ließ nicht lange auf sich warten: Schon bald wurden mehr als 500 Zentner Kartoffeln in dem 400-Seelen-Dorf Pilgramsreuth geerntet. Die Kirche jedoch war gegen die Kartoffel. Die Erdfrucht stammte von den südamerikanischen Heiden. Und die Knollen wuchsen im Dunkeln.

Der Kartoffelanbau, den die fränkischen Bauern betrieben, war so erfolgreich, dass schon bald auch andere Herzogtümer und Preuußen beliefert wurden. 1745 schließlich erließ der Preußenkönig das Gesetz zum Anbau der Kartoffel auch in Preußen. Den Bauern wurde vorgeschrieben, dass sie 10 Prozent ihrer Anbauflächen mit der Kartoffel bepflanzen mußten. Der Grund: Im Gegensatz zum Getreide war und ist die Kartoffel weder bei der Aussaat noch vor der Ernte abhängig vom Wetter und der Witterung. Erst mit dem Kartoffelanbau konnten in Europa die Hungersnöte eingedämmt werden.

Namen:

Kartoffel - Tartüffeln - Erdapfel - Erdbirne - Frundbirne - Hollandeier - Erdtoffeln - Erdtuffeln - Potaken - Pantüffeln - Bulwen - Grumbeere - Grundbirne - Kautüffel - Ketüffel


Beschreibung:

Die krautige, 40 - 120 cm hohe, Pflanze hat einen aufrechten, ästigen Stengel. An ihm befinden sich die fiederteiligen Blätter, wobei sich kleine und große Blättchen abwechseln. Die weißen oder violetten Blüten stehen in Wickeln, sind fünfzipflig und haben eine radförmige Blumenkrone.Als Frucht entwickeln sich grüne, ungefähr kirschgroße Beeren.
Blütezeit: Juni - Oktober, Früchte: August - September


Vorkommen:

Die im 16. Jahrhundert von Chile eingeführte Pflanze ist weltweit kultiviert.

Wirkstoffe:

In den Schalen der Kartoffel konzentrieren sich Alkaloide, unter anderen Solanin, die eine natürliche Abwehrbarriere zum Beispiel gegen Bakterien und Insekten bilden. Der Hauptwirkstoff ist Solanin. In den Beeren ist der Gehalt circa 1 %, in den Keimen circa 5 %, in den Blüten circa 0,7 %, in den Samen circa 0,25 % und im Kraut circa 0,5 %. Nicht nur die grünen Kartoffeln sind giftig, sondern auch die "Augen" und Keime der Kartoffel zeigen durch eine Lichteinwirkung und zu langer oder falscher Lagerung einen hohen Solaningehalt auf.

Giftige Teile:

Alle oberirdischen Teile der Pflanze, vor allem grüne Kartoffeln, Beeren und die Keimlinge der Knollen, sind stark giftig.

Wirkung:

Tödliche Vergiftungen durch die Pflanze sind häufig in der Literatur beschrieben worden. Beim Kochen werden die giftigen Alkaloide nicht inaktiviert, sondern sie gehen in das Kochwasser über. Nach einigen Stunden der Aufnahme kommt ein Brennen und Kratzen im Mund-, Hals- und Rachenbereich zustande. Eine rote, trockene und heiße Haut, Übelkeit, Erbrechen und heftige und übelriechende Durchfälle treten auf. Der erbrochene Mageninhalt hat oft eine gallige Färbung. Die so hervorgerufenen Entzündungen des Magen-, Darmbereichs können 24 Stunden andauern. Das Solanin ist auch in der Lage die roten Blutkörperchen aufzulösen. Zu Bewußtseinsstörungen kommen Kopfschmerzen, Schweißausbrüche und Augenflimmern mit manchmal aufkommenden optischen Täuschungen. Krämpfe sind bei dieser Intoxikation nur selten zu erkennen. Der Tod tritt meist bei voll erhaltenen Bewußtsein durch eine Atemlähmung ein.

Kartoffelkraut sowie gekeimte Kartoffeln sind giftig für Pferde, Rinder und Kühe, Schafe, Schweine, Hasen und Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und für Vögel.

Maßnahmen:

Die Gabe von medizinischer Kohle ist die erste Maßnahme. Als spezifisches Antidot kann Physostigminsalicylat gegeben werde. Die Dosis beträgt bei Kindern 0,5 mg und bei Erwachsenen 2 mg i.m. oder langsam i.v. Diese Medikamentierung darf nur unter Monitorkontrolle vorgenommen werden. Bei einem erneuten Auftreten der Symptomatik kann dieses Antidot nachgespritzt werden. Die Atemstörungen müssen mit den vorhandenen Hilfsmitteln eventuell unterstützt werden. Alle weiteren Hilfestellungen richten sich nach der Symptomatik der Vergiftung.

Heilwirkung und Medizinische Anwendung:

Kartoffelsaft wirkt krampflösend und hemmt die Magensäureproduktion. Medizinisch wird die Kartoffel heutzutage nicht mehr genutzt. Um so höher ist ihr Stellenwert in der Ernährung anzusetzen. Die Kartoffel enthält die Vitamine A, B1, B2, B6, C, E und K, ferner Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Vitamin C wird allerdings durch zu langes Kochen zerstört und die Mineralstoffe ausgeschwemmt, so liegt der Verlust an Vitaminen und Mineralstoffen bei Salzkartoffeln um 25 %. Kartoffeln haben sich auch als diätetisches Heilmittel bei Kreislauferkrankungen und Wasseransammlungen bewährt.